Porträts einheimischer Insekten

Eine Information des Aktivkreises Umwelt

(Autor: Balduin Koczynski)

Die Europäische Honigbiene (Apis mellifera)
Vor zwölftausend Jahren zeichneten Steinzeitmenschen einen Honigsammler an die Felswand einer Höhle in Spanien. Er beweist, dass die Biene unser ältestes Nutztier ist – noch vor dem Schwein und dem Rind, die erst später domestiziert wurden. Weltweit jedoch, mit Ausnahme von Australien, ist ein enormes Bienensterben zu beobachten. Es betrifft nicht nur unsere Honigbienen (mit Verlusten von bis zu 80 Prozent je Winter in einigen Ländern), sondern auch die Wildbienen.


Kärntner Biene (Apis mellifera carnica), Frank Mikley, CC BY-SA 3.0

Nach der letzten Eiszeit bildeten sich in Europa rund zehn Unterarten der Honigbiene. Abhängig vom Klima, dem Jahreszeitenwechsel und der Flora wurde bei uns die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) heimisch, die sich bis Skandinavien und England ausbreitete. Seit einer Verdrängungszucht in den 1940er Jahren gibt es bei uns flächendeckend die sogenannte „Kärntner Biene“ (Apis mellifera carnica, siehe Abb.).
Die Honigbiene ist die einzige staatenbildende Biene. Sie hält keinen Winterschlaf und ist darum auch das erste Insekt, das die Frühblüher besucht und bis in den Spätsommer die Blüten bestäubt. Den Nektar, den sie dabei sammelt, lagert sie als Wintervorrat (Honig) im Bienenstock ein.

Rund 80 Prozent aller Pflanzenarten sind auf eine Fremdbestäubung angewiesen, der Großteil wird durch Honigbienen bestäubt. Aufgrund ihrer Bestäubungsleistung sind sie das wichtigste Nutztier. Die weltweite Wirtschaftsleistung der Honigbienen wird mit etwa 153 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. In Deutschland wird der Nutzwert der Tiere mit etwa vier Milliarden Euro angegeben. Der Nutzwert ergibt sich aus der Bestäubung der wichtigsten Kulturpflanzen. Nicht gerechnet ist allerdings die Bestäubung aller anderen Blütenpflanzen, die von der Biene aufgesucht werden. Ohne Befruchtung entstehen keine Samen. Samen dieser Pflanzen und der Kulturpflanzen verlieren nach einigen Jahren ihre Keimfähigkeit.

Honig war in unserer Vorzeit der einzig Süßstoff und ist es bei vielen Naturvölkern noch heute. Er galt als „flüssiges Gold“ und Menschen, die Honig gewonnen haben, genossen ein großes Ansehen (Zeidler im Mittelalter). Der Nektar, den die Biene einträgt, hat einen Wassergehalt von etwa 70 Prozent und enthält Mehrfachzucker. Beim Umtragen wandert der Nektar durch viele Honigmägen. Dabei wird Wasser entzogen, Enzyme zugefügt und zu Einfachzucker umgewandelt, der für uns bekömmlicher ist. 18 Prozent Wassergehalt ist das Maximum, sonst fängt der Honig zu gären an. Weitere vom Menschen genutzte Produkte der Honigbiene sind Bienenwachs, Pollen, Bienengift, Gelée Royale und Propolis sowie der aus Honig gewonnene Met.
Bienen sind stark bedroht. Die Varroa-Milbe saugt das Blut der Biene und der Bienenmade aus. Dabei überträgt sie auch Viren, die die Bienen töten oder als fluguntauglich verstümmeln. Der Imker bekämpft diesen Milbenbefall, sonst würde das Volk nicht überleben. Auch der Futtermangel spielt eine große Rolle. Die intensive Landwirtschaft hat blühende Ackerraine und Gehölzinseln vernichtet. Monokulturen ohne Blüten beherrschen die Landschaft. Blühende Wiesen sind verschwunden. Sie werden vor der Blüte gemäht. Pestizide töten Bienen, wie auch alle anderen Insekten. Zudem ist trotz großer Bemühungen das Immunsystem der Biene noch nicht erforscht, sodass wir nicht mit letzter Gewissheit sagen können, welche Faktoren letztendlich ihr Sterben mitverursachen.
Von den ehemals 1,3 Millionen Bienenvölkern vor 20 Jahren gibt es noch 750 000 bei uns. Auch die Anzahl der Imker wird weniger. Aber ohne Imker gibt es keine Honigbienen mehr. Wildlebend kommen sie bei uns so gut wie nicht vor.

Wie können wir unseren Bienen helfen?
Einfach „Rosen statt Rasen“ pflanzen – aber keine gefüllten. Gefüllt blühende Pflanzen haben weder Pollen noch Nektar. Nach der Rapsblüte herrscht für die Bienen meist eine karge Zeit. Es fehlen Blühpflanzen. Wenn ökologisch nicht genutzte Flächen der Kommunen und private Gärten mit Bienenweiden bepflanzt würden, könnte man diese Not zum Teil mindern.
Keine Gläser mit anhaftenden Honigresten in den Glascontainer werfen. Bienen riechen diesen Honig und sammeln ihn. Er kann Erreger der amerikanischen Faulbrut beinhalten, ein für uns unschädlicher Virus.

Die Wespe
Wissenschaftler vermuten, dass auf unserem Planeten 10 Trillionen Insekten leben – das ist eine 1 mit 19 Nullen. Man schätzt, dass es etwa 30 Millionen unterschiedliche Arten gibt und viele noch nicht entdeckt sind. Vor 280 Millionen Jahren lebte eine Libelle mit 75 Zentimetern Flügelspannweite und 30 Zentimetern Körperlänge. Die ersten sozial lebenden Insekten, sogenannte Faltenwespen, entstanden vor 120 Millionen Jahren. Eine in baltischem Bernstein eingeschlossene Wespe soll 50 Millionen Jahre alt sein – die ersten menschenähnlichen Wesen gab es erst vor 4 Millionen Jahren. Wie unsere Honigbiene gehören die heimischen Wespen in die Ordnung der Hautflügler, zu der auch die Hummeln und Ameisen zu rechnen sind. Typisch für diese Ordnung sind die vier faltbaren Flügel und die „Wespentaille“. Abgesehen von unseren Wildbienen (Solitärbienen) bilden sie Staaten von vielen Tausend Exemplaren.

Die häufigsten Wespenarten und auch die lästigsten sind die Deutsche und die Gemeine Wespe. Sie sind nur an ihrer Gesichtszeichnung zu unterscheiden. Für den Laien ist das jedoch kaum möglich. Beide zählen zu der Familie der Papierwespen, da sie ihre Nester aus zerkauten Holzfasern bauen. Als man Telegraphenmasten noch aus unbehandelten Baumstämmen machte, kam es sogar vor, dass sie von Wespen so angenagt wurden, dass sie zusammenbrachen.


Foto: Holger Göschl

Jedes Volk startet im zeitigen Frühling mit einer Wespenkönigin, die in einem Versteck in Winterstarre überdauert hat. An einem kleinen Stiel hängend baut sie ein Nestchen mit einem Dutzend Zellen. Sie legt Eier hinein und füttert die geschlüpften Larven mit zerkauten Insekten, da sie zum Wachsen Proteine brauchen. Nach 3 bis 4 Wochen schlüpft die erste Generation weiblicher Wespen, die dann den Nestbau und die Brutpflege übernehmen. Bis zum Spätsommer kann ein Volk von 7000 Tieren oder mehr heranwachsen, das täglich bis zu ein Kilo Schadinsekten vertilgen kann. Dies ist der Nutzen dieser Tierchen. Gäb es sie nicht, würden Blattläuse, Raupen und Käfer unseren Nutzpflanzen den Garaus machen. In Bio-Gewächshäusern werden Wespen angesiedelt, um nicht mit Insektiziden die Nutzpflanzen behandeln zu müssen.
Im Spätsommer entstehen neue Königinnen und männliche Wespen. Für das kommende Jahr ist die Art gerettet. Die weiblichen Wespen haben nun nur mehr wenig Brut zu versorgen, brauchen aber Kohlehydrate für sich selbst. Alles was süß ist, wird gefressen. "Datschizeit" ist Wespenzeit. Im Spätsommer sind wir Opfer ihrer Überfälle. Ob Zwetschendatschi, Honigbrot oder Schnitzel, nichts ist vor ihnen sicher. Dabei gibt es einige Tricks, um friedlich miteinander auszukommen. Wegpusten? Auf keinen Fall. Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt als Alarmsignal. Nach ihnen zu schlagen macht sie aggressiv und wir müssen flüchten, denn ein Angst-Pheromon lockt noch mehr aggressive Artgenossen an. Besser: Ein Häufchen Kaffee in einem Aschenbecher anzünden. Für uns ein angenehmer Geruch – ein Graus für die Wespen. Überreife, angeschnittene Weintrauben in einiger Entfernung aufstellen – schon lassen sie uns in Ruhe.
Natürlich gilt es, einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: mit einem Strohhalm trinken, das Bierglas mit einem Bierfilzchen abdecken, kein Honig oder Marmelade auf der Terrasse, bunte Kleidung vermeiden.
Was tun, wenn man doch gestochen wird? Meist reicht ein kühlender, feuchter Umschlag. Bei Stichen in der Kopf-Halsgegend jedoch kann es durch Schwellung zu einer Verengung der Luftwege kommen. Man sollte den Arzt aufsuchen – beim Verschlucken einer Wespe muss auf jeden Fall der Notarzt (112) gerufen werden.
Manche Menschen reagieren allergisch auf Insektenstiche, sie könnten für sie lebensbedrohlich sein. Doch zum Glück hört man selten von solchen Fällen.

 


"Vespa crabro 80708" by Accipiter (R. Altenkamp, Berlin)

Die Hornisse
Man hört es ganz deutlich – ein tiefer Brummton. Da ist etwas ganz anderes, das da durch die Luft schwebt. Es kann keine Biene oder Wespe sein. Eine Hornisse. Und sie ist nicht nur bei Tageslicht unterwegs, sondern auch bei dunkler Nacht. Eigentlich ein scheues Wesen, das man nicht auf dem Terrassentisch antreffen wird.
Hornissen sind staatenbildende Insekten wie die Wespen. Sie zählen wie die Gemeine und die Deutsche Wespe zu den sogenannten Papierwespen. Es gibt eine Königin, Arbeiterinnen und Hornissenmännchen. Die Königin misst stattliche 35 mm (Arbeiterin 25 mm und Drohne 28 mm). Damit ist sie das größte heimische Insekt unter den Hautflüglern (Hummeln, Bienen, Wespen). Wenn sie sich auch mancherorts durch die Farbgebung unterscheidet, so ist diese Art von der spanischen Halbinsel bis nach Japan und im Osten der USA zu Hause. Ganz deutlich unterscheidet sie sich von der Wespe durch das rotbraune Vorderteil ihres Körpers.
Wie bei den Wespen und Hummeln überlebt nur die Königin in einem sicheren Versteck den Winter. Zeitig im Jahr beginnt sie mit dem Nestbau und sucht sich dabei einen geschützten Ort aus, nicht selten ein leerstehendes Vogelhaus. Wenn die erste Generation der Arbeiterinnen geschlüpft ist, übernimmt diese die Aufzucht des Nachwuchses. Die Königin widmet sich dann ausschließlich der Eiablage.
Ein Hornissennest ist leicht von dem der Wespen zu unterscheiden. Wespen bauen ein kugelrundes, graues Nest. Das der Hornisse hat rötlichbraune Streifen und ist eher braun. Außerdem hat es unten viele Lüftungsöffnungen – das der Wespen hat nur eine Öffnung an der Unterseite – und von außen kann man keine geometrische Form erkennen. 700 Exemplare kann ein solches Nest beherbergen. Sollte es zu eng werden, weil der Raum im Vogelhaus voll ausgenutzt ist, dann wird eben eine Filiale in der Nähe gegründet.
Wie auch bei den Wespen vertilgt ein Hornissenvolk bis zu 1,5 kg Insekten pro Tag, die sie zerkaut an ihren Nachwuchs verfüttern. Manchmal sind es aber nicht nur Schadinsekten, die verfüttert werden, sondern auch schon mal eine Honigbiene, die zu ihren Leibspeisen zählt. Kopf und Flügel werden abgebissen und der Körper zum Nest getragen.
Im Herbst stirbt das ganze Volk. Nur die junge Königin wird den Winter überleben.
Ein Sprichwort sagt „7 Stiche töten ein Pferd, 3 Stiche einen Menschen“. Abgesehen davon, dass sehr selten jemand von einer Hornisse gestochen wird, so ist der Stich nicht sehr schmerzhaft. Tests haben ergeben, dass Bienengift 15-mal stärker wirkt.
Bienen müssen ihren Honig, den sie im Winter brauchen, gegen Räuber verteidigen. Sie halten keinen Winterschlaf und müssen auf 35 Grad Celsius „heizen“. Das kostet Energie. Hornissen brauchen ihr Gift nur, um andere Insekten zu töten.
Inzwischen hat uns eine invasive Hornissenart aus China erreicht, deren Hauptmahlzeit unsere Honigbiene ist. Imker in Spanien, Frankreich und Belgien hat dies bereits in hellste Aufregung versetzt. Für uns hier wurde Entwarnung gegeben. Offensichtlich mag sie unser raueres Klima nicht.